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Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande

von Heiner Müller 

Stückdauer: 2 Stunden, 30 Minuten , eine Pause
Premierendatum: 08.02.2020

„Junkerland in Bauernhand“ lautet die Devise in einem mecklenburgischen Dorf nach dem Krieg. Im Zuge der Bodenreform werden die Großgrundbesitzer enteignet und das Land wird an Landarbeiter, Kleinbauern und Umsiedler verteilt. Fünf Hektar für jeden; zu wenig um davon zu leben. So steht schon bald die Kollektivierung in LPGs vor der Tür. Auf Grundlage einer Erzählung von Anna Seghers zeigt Heiner Müller mit viel Witz die Widersprüche der jüngeren ostdeutschen Geschichte auf – zwischen Idealismus und Opportunismus, Fortschritt und Mangelwirtschaft, Idee und Wirklichkeit.

Seine Sicht auf das Landleben im Sozialismus brachte Müller im Jahr des Mauerbaus 1961 den Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR ein: Das Stück wurde nach einer ersten Testaufführung mit Studierenden der Hochschule für Ökonomie Karlshorst in Berlin  als „staatsfeindlich“ verboten und sorgte für einen der größten Theaterskandale der DDR. Erst 1976 konnte DIE UMSIEDLERIN ODER DAS LEBEN AUF DEM LANDE unter dem geänderten Titel DIE BAUERN an der Volksbühne in Berlin ein zweites Mal „uraufgeführt“ werden.

„DIE UMSIEDLERIN ist mein liebstes Stück“ erklärt Heiner Müller in seiner Autobiografie und, beruhend auf eignen Beobachtungen des mecklenburgischen Landlebens nach dem zweiten Weltkrieg, ist es auch eins seiner persönlichsten Werke.

Milan Peschel, der bekannte Theater- und Filmschauspieler, der seit 2006 auch als Regisseur von sich reden macht, inszeniert erstmals in Schwerin. 

Am 22. Februar findet vor der Vorstellung DIE UMSIEDLERIN um 17.30 Uhr die Veranstaltung ZWEI HÄNDE SIND ZU WENIG statt. Soziologe Andreas Willisch vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung befragt  im Kontext des Stücks von Heiner Müller und der Inszenierung von Milan Peschel aktuelle Transformationsprozesse im ländlichen Raum.
Der Eintritt ist kostenlos.

„ Die 13 Schauspielerinnen und Schauspieler (darunter drei Studierende der Rostocker Schauspielschule, Ana Yoffe, Johannes Hegemann und Tom Scherer) demonstrieren selten Gewordenes: starken Ensemblegeist. Großartig, wie von Marko Dyrlich (Flint) und Martin Neuhaus (Beutler) bis zu Flavius Hölzemann, Janis Kuhnt und Stella Hinrichs alle den Riss in der Zeit erforschen, der auch mitten durch ihr Leben geht. ... Magdalena Musial verweigert in ihrer Ausstattung klugerweise jede eindeutige historische Verortung. ... Dies ist ein Exkurs über Geschichte, die zu einer Zeit Möglichkeiten zulässt und zu einer anderen wieder zerstört. Jede Gegenwart aber ist nur wieder eine neue Täuschung, ein Heilsversprechen, das lügt. ... Anstelle des roten Fadens gibt es ein anderes, ein tödliches Leitmotiv. Neil Youngs Gitarrenriff aus Jim Jarmuschs Filmepos »Dead Man«. Darin sahen wir Johnny Depp, der, einem Versprechen folgend, bis an einen unwirklichen Ort am Ende der Welt reist, wo man ihm mitteilt, der Grund für sein Hiersein habe sich längst erledigt. Er wird tödlich verwundet und wir begleiten ihn auf seinem surrealen Trip ins Totenreich. Genau das passiert auch an diesem ebenso formal mutigen wie leidenschaftlich gespielten »Umsiedlerin«-Abend in Schwerin. Eine letzte Reise. Aber was für eine! “

„ Doch kann, soll man [das Stück] heute noch spielen? Unbedingt: Ja. Diese herbe Komödie mit dem Keim der Industrialisierung in der Landwirtschaft lebt aus der Realität: Gesellschaftliche Konflikte offenbaren immer auch latente individuelle: Utopie und Widerstand, Machtallüre, Korruption, Dogmatismus, Leck-mich-Stimmung...in die Gegenwart von Konflikten mit industrieller Landwirtschaft passt die Rückschau auf ein historisches Woher durchaus... Neue Verhältnisse, alte Gewohnheiten – das Streitpotential treibt die Regie, hart geschnitten und rhythmisch, oft zu explosiven Situationen... Danach szenisches Ausatmen zur Besinnung... Emotion und Verstand kollidieren, Komik inbegriffen. Peschel schafft auch symbolische Bilder... Das Ensemble im Rollenwechsel auf hoher Temperatur. Marko Dyrlich als Parteiarbeiter im Kampfmodus, den er auch mal satt hat. Katrin Heinrich zwiefach als Ehefrau, mal resolut, mal enttäuscht. Janis Kuhnt ein lässiger Tagedieb mit Esprit. Julia Keiling mit Besitzer-Posen. Stella Hinrichs als flottes Flittchen. Leise geht Ana Yoffe als schwangere Umsiedlerin durch die Gewitter der Gefühle... Szenen aus wilder Zeit, expressionistisch gespielt. “

10. Februar 2020, Manfred Zelt

„ Mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus hat am Samstagabend im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin das Stück „Die Umsiedlerin“ von Heiner Müller Premiere gefeiert. Peschel zeigt mit seiner Inszenierung, dass er ein Ensemble führen und Bilder bauen kann. Die Zuschauer erleben mit 13 Mitwirkenden ein großes und hochkonzentriertes und wandlungsfähiges Ensemble “

10. Februar 2020, Gabriele Struck

„ Was übrig bleibt, ist Theater: 15 Bilder vom Leben auf dem Land, in denen mit Lust die Widersprüche aufeinander gehetzt werden. Regisseur Milan Peschel bietet genügend Gelegenheiten zu intensivem und körperlichen Spiel, das Ensemble – immerhin 13 Schauspielerinnen und Schauspieler auf dieser relativ kleinen Bühne – nehmen diese Angebote dankbar an. “

8. Februar 2020, Frank Schlößer

Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande

von Heiner Müller 

„Junkerland in Bauernhand“ lautet die Devise in einem mecklenburgischen Dorf nach dem Krieg. Im Zuge der Bodenreform werden die Großgrundbesitzer enteignet und das Land wird an Landarbeiter, Kleinbauern und Umsiedler verteilt. Fünf Hektar für jeden; zu wenig um davon zu leben. So steht schon bald die Kollektivierung in LPGs vor der Tür. Auf Grundlage einer Erzählung von Anna Seghers zeigt Heiner Müller mit viel Witz die Widersprüche der jüngeren ostdeutschen Geschichte auf – zwischen Idealismus und Opportunismus, Fortschritt und Mangelwirtschaft, Idee und Wirklichkeit.

Seine Sicht auf das Landleben im Sozialismus brachte Müller im Jahr des Mauerbaus 1961 den Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR ein: Das Stück wurde nach einer ersten Testaufführung mit Studierenden der Hochschule für Ökonomie Karlshorst in Berlin  als „staatsfeindlich“ verboten und sorgte für einen der größten Theaterskandale der DDR. Erst 1976 konnte DIE UMSIEDLERIN ODER DAS LEBEN AUF DEM LANDE unter dem geänderten Titel DIE BAUERN an der Volksbühne in Berlin ein zweites Mal „uraufgeführt“ werden.

„DIE UMSIEDLERIN ist mein liebstes Stück“ erklärt Heiner Müller in seiner Autobiografie und, beruhend auf eignen Beobachtungen des mecklenburgischen Landlebens nach dem zweiten Weltkrieg, ist es auch eins seiner persönlichsten Werke.

Milan Peschel, der bekannte Theater- und Filmschauspieler, der seit 2006 auch als Regisseur von sich reden macht, inszeniert erstmals in Schwerin. 

Am 22. Februar findet vor der Vorstellung DIE UMSIEDLERIN um 17.30 Uhr die Veranstaltung ZWEI HÄNDE SIND ZU WENIG statt. Soziologe Andreas Willisch vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung befragt  im Kontext des Stücks von Heiner Müller und der Inszenierung von Milan Peschel aktuelle Transformationsprozesse im ländlichen Raum.
Der Eintritt ist kostenlos.

Stückdauer: 2 Stunden, 30 Minuten , eine Pause
Premierendatum: 08.02.2020

Die 13 Schauspielerinnen und Schauspieler (darunter drei Studierende der Rostocker Schauspielschule, Ana Yoffe, Johannes Hegemann und Tom Scherer) demonstrieren selten Gewordenes: starken Ensemblegeist. Großartig, wie von Marko Dyrlich (Flint) und Martin Neuhaus (Beutler) bis zu Flavius Hölzemann, Janis Kuhnt und Stella Hinrichs alle den Riss in der Zeit erforschen, der auch mitten durch ihr Leben geht. ... Magdalena Musial verweigert in ihrer Ausstattung klugerweise jede eindeutige historische Verortung. ... Dies ist ein Exkurs über Geschichte, die zu einer Zeit Möglichkeiten zulässt und zu einer anderen wieder zerstört. Jede Gegenwart aber ist nur wieder eine neue Täuschung, ein Heilsversprechen, das lügt. ... Anstelle des roten Fadens gibt es ein anderes, ein tödliches Leitmotiv. Neil Youngs Gitarrenriff aus Jim Jarmuschs Filmepos »Dead Man«. Darin sahen wir Johnny Depp, der, einem Versprechen folgend, bis an einen unwirklichen Ort am Ende der Welt reist, wo man ihm mitteilt, der Grund für sein Hiersein habe sich längst erledigt. Er wird tödlich verwundet und wir begleiten ihn auf seinem surrealen Trip ins Totenreich. Genau das passiert auch an diesem ebenso formal mutigen wie leidenschaftlich gespielten »Umsiedlerin«-Abend in Schwerin. Eine letzte Reise. Aber was für eine!

Doch kann, soll man [das Stück] heute noch spielen? Unbedingt: Ja. Diese herbe Komödie mit dem Keim der Industrialisierung in der Landwirtschaft lebt aus der Realität: Gesellschaftliche Konflikte offenbaren immer auch latente individuelle: Utopie und Widerstand, Machtallüre, Korruption, Dogmatismus, Leck-mich-Stimmung...in die Gegenwart von Konflikten mit industrieller Landwirtschaft passt die Rückschau auf ein historisches Woher durchaus... Neue Verhältnisse, alte Gewohnheiten – das Streitpotential treibt die Regie, hart geschnitten und rhythmisch, oft zu explosiven Situationen... Danach szenisches Ausatmen zur Besinnung... Emotion und Verstand kollidieren, Komik inbegriffen. Peschel schafft auch symbolische Bilder... Das Ensemble im Rollenwechsel auf hoher Temperatur. Marko Dyrlich als Parteiarbeiter im Kampfmodus, den er auch mal satt hat. Katrin Heinrich zwiefach als Ehefrau, mal resolut, mal enttäuscht. Janis Kuhnt ein lässiger Tagedieb mit Esprit. Julia Keiling mit Besitzer-Posen. Stella Hinrichs als flottes Flittchen. Leise geht Ana Yoffe als schwangere Umsiedlerin durch die Gewitter der Gefühle... Szenen aus wilder Zeit, expressionistisch gespielt.

SVZ, 10. Februar 2020, Manfred Zelt

Mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus hat am Samstagabend im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin das Stück „Die Umsiedlerin“ von Heiner Müller Premiere gefeiert. Peschel zeigt mit seiner Inszenierung, dass er ein Ensemble führen und Bilder bauen kann. Die Zuschauer erleben mit 13 Mitwirkenden ein großes und hochkonzentriertes und wandlungsfähiges Ensemble

Ostsee-Zeitung, 10. Februar 2020, Gabriele Struck

Was übrig bleibt, ist Theater: 15 Bilder vom Leben auf dem Land, in denen mit Lust die Widersprüche aufeinander gehetzt werden. Regisseur Milan Peschel bietet genügend Gelegenheiten zu intensivem und körperlichen Spiel, das Ensemble – immerhin 13 Schauspielerinnen und Schauspieler auf dieser relativ kleinen Bühne – nehmen diese Angebote dankbar an.

nachtkritik, 8. Februar 2020, Frank Schlößer

Termine / Tickets

  • Apr Do
    23
    19.30 Uhr
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  • 08.02.2020
    19.30 Uhr
    E-Werk
  • 09.02.2020
    18.00 Uhr
    E-Werk
  • 22.02.2020
    19.30 Uhr
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