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Martin Brauer

Schauspieler 

Unser geschätzter Kollege Martin Brauer ist Ende Februar 2021 überraschend gestorben, nachdem er am Vorabend noch mit Kolleginnen und Kollegen für eine der Wiedereröffnungs-Premieren des Mecklenburgischen Staatstheaters geprobt hatte.
Martin Brauer war seit Beginn der Generalintendanz von Lars Tietje im Sommer 2016 Mitglied des Schauspielensembles des Mecklenburgischen Staatstheaters. Er spielte u.a. den Schauspieler Josef Tura in SEIN ODER NICHTSEIN und Titelrollen in LILIOM, MEPHISTO sowie CYRANO DE BERGERAC bei den Schlossfestspielen Schwerin. 2018 wurde er für seine herausragenden Leistungen mit dem Conrad-Ekhof-Preis der Gesellschaft der Freunde des Mecklenburgischen Staatstheaters ausgezeichnet.
Der studierte Musiker und Schauspieler unterrichtete außerdem an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und war Schlagzeuger der „Kapelle der Versöhnung“ des Musik-Kabarettisten Rainald Grebe.
Die Beschäftigten des Mecklenburgischen Staatstheaters sind bestürzt und in tiefer Trauer. „Das Mecklenburgische Staatstheater verliert mit Martin Brauer einen der führenden Protagonisten und einen sehr geschätzten Kollegen. Martin war ein Vollblutkünstler und ein Familienmensch. Unser Mitgefühl gilt daher ganz besonders seinen Angehörigen.“, so Generalintendant Lars Tietje.

 

Schwerin, den 27.2.2021

Lieber Martin,

du bist nicht mehr da. Wie sollen wir das begreifen?
Du hast aufgehört zu spielen auf der Bühne des Lebens.
Das ist schlimm. Unendlich traurig. Wir verstehen es nicht.
Und das zuerst: du bist unersetzlich.
Als Ehemann. Als Vater. Als Sohn. Als Freund. Als Musiker. Als Schauspiellehrer. Und als unser Kollege.
Du bist doch Schauspieler, Martin. Da tritt man nicht einfach ab. Dein Stück war noch nicht zu Ende gespielt.
Auf unserer Bühne in Schwerin hast du immer wieder Schauspieler gespielt, Theatermacher.
Den Theaterdirektor im Berliner Hinterhofmilieu in Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“. Den „Gründgens“ in Klaus Manns „Mephisto“. Den Vollblutschauspieler in Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“.
Du bist so ein Vollblutschauspieler, lieber Martin. Du willst spielen. Trotz Widrigkeiten. Trotz Pandemie. Der Lappen muss hochgehen.
Jetzt ist der Vorhang auf einmal gefallen. Und wir sind ratlos.
Für deine Arbeit auf der Bühne hast du den Conrad-Ekhof-Preis bekommen. Gewidmet dem großen Schweriner Theatermacher und Theaterpädagogen. Das passt!
Und das Preisgeld hast du gleich gut angelegt. Du hast uns alle eingeladen. Auf dein Gehöft. Mit Kind und Kegel, dein ganzes Ensemble. Da haben wir gefeiert. Dich und uns.
Schon als das neue Schauspiel-Ensemble gegründet war, hast du uns dorthin eingeladen, zu dir nach Hause. Theaterspielen geht nur im Ensemble. Dafür hast du dich stark gemacht. Danke! Dein Landsitz ist dein ganzer Stolz. Deine Familie und dieser Ort. Du hast es dir aufgebaut. Die Begeisterung, mit der du davon erzählst, hast du zur Kunst erhoben: eine Rede über die Gartenräume, die Fliederhecke, die Obstwiese, die Holzstapel, die Sauna - damit hast du in Schwerin vorgesprochen und bist engagiert worden. Später hast du diese Rede noch einmal in einem Theaterprojekt präsentiert. Es hieß „Ankommen“.
Sich aufs Land begeben. Als Mecklenburger konntest du ja gar nichts Besseres machen. Shakespeare zog es auch dahin...
Lieber Martin, die Proben haben wieder begonnen. Du wolltest wieder spielen. So bald wie möglich. Vor Publikum.
Und wehe, wenn die Leute nach der Pause zu spät in den Zuschauerraum kommen oder irgendwo ein Handy blinkt. Da kannst du richtig wütend werden. Mal kurz das Spiel unterbrechen: „Wir warten gern!“. Denn auch vom Publikum erwartest du Respekt, Konzentration und Hingabe. Wenn auf den Proben zu viel geredet wird, reißt es dich vom Stuhl hoch: “Kommt, lasst uns anfangen!“ Proben. Spielen. Kunststücke üben: So viele Mädchen hast du in „Liliom“ erfunden und immer Szenenapplaus bekommen. Nicht nur dafür!
Lieber Martin, wir werden weiter proben, und dein Tee wird nicht mehr lautstark aus deiner übergroßen Thermoskanne plätschern.
Wir werden weiter spielen – ohne dich.
Du fehlst.

Dein Schauspiel